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Die Banketthalle des nigerianischen Staatspräsidenten

Fertigung des Rundgangs in Gipskartonfertigteilen. Werkseitig in unserem Unternehmen hergestellt. Lieferung mit deutscher Lufthansa.
Die Bankett-Halle kurz nach der Einweihung von Queen Elisabeth.
Außenansicht des Gebäudes mit der Kuppel der Eingangshalle.

Drei Reichenbacher bauen 3600 Quadratmeter-Decke eines Bankett-Saals des Präsidenten

Multi-Kulti-Team: Markus, Christian und Gerhard Reisinger (v.li.) mit ihren nigerianischen Deckenbau-Helfern

REICHENBACH/ABUJA. Wenn der nigerianische Staatspräsident Obasanjo sich eine Bankett-Halle bauen lässt, dann spielt im ölreichsten Land Afrikas Geld eine untergeordnete Rolle. Qualität soll der Bau neben dem Präsidentenpalast haben, Macht symbolisieren und moderne Technik enthalten. Natürlich via Internet angelte sich der Reichenbacher Schreinermeister Gerhard Reisinger den Auftrag für die Deckenkonstruktion dieses Prunk-Saals. In vier Wochen machten drei Reisingers die Decke der 3600 Quadratmeter-Halle repräsentativ.  Ihr Berichtsheft aus einer anderen (nicht nur Arbeits-) Welt . ..

"Wennst aus´m Flugzeug steigst, meinst´ die trifft der Schlag," sagt Gerhard Reisinger. "35 Grad, fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Und ein Tower mit Löcher in den Fenstern. "Aircondition" grinst mich ein Nigerianer an. Die ersten Eindrücke des 37-jährigen Schreinermeisters vom bevölkerungsreichsten Land Westafrikas, sind so außergewöhnlich wie die Erfahrungen, die sein Bruder Christian, sein Cousin Markus und er in den kommenden vier Wochen machen werden, in denen sie als VIP-Gäste des Landeschefs an dessen Nobel-Aula für Empfänge und Bankette mitbauen werden.

Als die Reisingers in Laos schon beim Abstieg auf der Gangway ins Schwitzen kamen - was sich bis zum Abflug auch nur selten änderte - hatten sie bereits Wochen stressiger Vorarbeit hinter sich. Der Hersteller von Deckenplatten aus Mineralwolle, die "Odenwald-Werke" in Amorbach an der Grenze zu Hessen, ebneten Reisinger den Weg nach Nigeria. Die nahezu weltweit agierenden Spezialisten für Deckensysteme kannten die Arbeits- und Klima-Verhältnisse in Nigeria, so dass Reisinger den Prototyp einer Konstruktion von 60 mal 60 Metern entwerfen konnte. Im Mai begutachtete eine Delegation aus Nigeria das Werk: Eine gitterartige Struktur, die sich in zwei Absätzen pyramidenförmig nach oben erhebt. Natürlich qualitativ top und mit Platz für Aircondition, Licht und weitere Technik - das gefiel den Nigerianern und Odenwald und Reisinger wurden engagiert. Ende Juli machten sich 40 Tonnen mondäner Decke und 400 Tonnen Stahl als Unterkonstruktion zu deren Befestigung per Schiff auf den Weg nach Westafrika. "Oberhalb der Decke werden kilometerlang Kabel und Schläuche verlegt, da sind Gänge, auf denen nicht nur Servicetechniker auf die Leute unter der Decke schauen können," so Reisinger. Nur eine Kennzahl: Die Klimaanlage des Saals hat eine Leistung von 1,6 Megawatt. Vor dem Reichenbacher Trio kamen Werkzeug und Montage-Material per Flugzeug in Nigeria an. Per Videokonferenz versuchte Gerhard Reisinger so gut es ging, die Entladung der Fracht mitzuverfolgen, ob alles da ist, was man als Deckenbauer so braucht, um in vier Wochen einen 60 mal 60 Meter-Plafond mit ungelernten afrikanischen Helfern zu montieren. Fast wie in Reichenbach: Arbeit in der Reisinger-Latzhose    Ein etwas anderer Wind In den afrikanischen Tropen bekamen die drei Reisingers sehr schnell mit, dass hier nicht nur klimatisch ein anderer Wind weht: Ob ein eigener Chauffeur von Flughafen von und zur Baustelle. Ob ein "absolut mörderischer" Straßenverkehr, in dem der mit der lautesten Hupe Vorfahrt hat, oder Autobahnen, die komplett geräumt werden, wenn der Präsident mit seiner Eskorte sie mal benutzt. Nur rechts ran und Anhalten reicht nicht. - dass die Demokratie dort noch in den Kinderschuhen steckt, dafür braucht man kein Politikstudium, so Reisinger. Dem Trio aus der Oberpfalz war das Treiben außerhalb von Hotel und Baustelle jedoch weitgehend egal. "Wir arbeiteten von morgens um sieben bis am Abend. Dann ab ins Hotel, Duschen, Essen, die E-mails von der Firma zuhause checken, an und ab mit Frau und Kindern telefonieren, schließlich ein, oder zwei Dosen Bier - und dann ab ins Bett. Und das vier Wochen lang."

Fast wie in Reichenbach: Arbeit in der Reisinger-Latzhose

Ein etwas anderer Wind
In den afrikanischen Tropen bekamen die drei Reisingers sehr schnell mit, dass hier nicht nur klimatisch ein anderer Wind weht: Ob ein eigener Chauffeur von Flughafen von und zur Baustelle. Ob ein "absolut mörderischer" Straßenverkehr, in dem der mit der lautesten Hupe Vorfahrt hat, oder Autobahnen, die komplett geräumt werden, wenn der Präsident mit seiner Eskorte sie mal benutzt. Nur rechts ran und Anhalten reicht nicht. - dass die Demokratie dort noch in den Kinderschuhen steckt, dafür braucht man kein Politikstudium, so Reisinger. Dem Trio aus der Oberpfalz war das Treiben außerhalb von Hotel und Baustelle jedoch weitgehend egal. "Wir arbeiteten von morgens um sieben bis am Abend. Dann ab ins Hotel, Duschen, Essen, die E-mails von der Firma zuhause checken, an und ab mit Frau und Kindern telefonieren, schließlich ein, oder zwei Dosen Bier - und dann ab ins Bett. Und das vier Wochen lang." 

"Die Nigerianer sind nicht nur freundlich und höflich, sondern auch fleißig und lernbereit"

Gerhard Reisinger über seine Mitarbeiter

Nicht gerade spektakulär. Aber sie waren ja nicht in Urlaub, sondern zum Arbeiten hier. Und sie davon nicht abzuhalten wurde alles getan: Vom besagten Fahrer und Wäscheservice bis zum Getränkehohler auf der Baustelle - an Hilfskräften mangelte es nicht im Land, in dem der Einkommensdurchschnitt bei 160 Euro liegt.
Ein Engländer, ein Ire, ein Italiener, ein Araber, drei Franzosen und die drei Chamer waren für das 200 Millionen Dollar-Projekt "Banquet Hall and Presscentrum" verantwortlich. "Und 350 Nigerianer - für jeden Handstrich mindestens einer."
Klar ist eine Hilti-Bohrmaschine für die dortigen "Handwerker" schon etwas besonders und ein kabelloser Akkuschrauber eine kleine Sensation - "Aber die Nigerianer sind nicht nur freundlich und höflich, sondern auch fleißig und lernbereit," sagt der Chef eines 16 Mitarbeiter starken Handwerksbetriebs.
Mit der ihm eigenen Art, leutselig und kumpelhaft im Umgang, aber hart und präzise, wenn´s um die Arbeit ging, verschaffte sich der Chef der "drei Weißen" auf 5000 Kilometer fern von Reichenbach schnell Respekt. "Massa Reisinger" nannten ihn seine zehn Helfer, die klare Ansagen bekamen, was sie zu tun hatten, während die Chefs selbst von der Vermessung per Laser bis zum Bau der Decke selbst mit anpackten - auch sieben Meter Raumhöhe waren trotz wackeliger Holzgerüste kein Problem.
So werkelten die Reisingers mit ihren afrikanischen Adjutanten vor sich hin, bis eines Tages die Unruhe und das Bedürfnis nach Sauberkeit auf der Baustelle zunahm. Der Präsident selbst wollte die Fortschritte begutachten. Gerhard Reisinger: "Also der Präsident kam herein, sah sich unsere Arbeit ruhig an, sagte ein paar mal ,beautiful´ und war wieder weg."

Die Schrecksekunde Durch die Sieben-Tage-Arbeitswoche der Reisingers - die christlichen Nigerianer haben sonntags frei - und dank Dauer-Abwesenheit größerer Probleme wurde die Decke drei Tage eher fertig als geplant. Nur einmal hatten das Reichenbacher Familientrio buchstäblich eine Schrecksekunde zu überstehen: "Eines Nachmittags verließen plötzlich die Arbeiter die Baustelle. Pause? Irgendwas mit dem Präsidenten? Wir sahen uns an und machten erst mal weiter. Plötzlich gab es einen riesigen Knall, dass die ganze Halle zitterte. Ein paar Stahlträger und Holzleisten fielen von der Decke, dann war´s wieder ruhig. Eine Bombe? Wir waren wirklich beunruhigt und gingen ins Freie. Dort hatte ein Arbeiter eine Dynamitstange im Boden gezündet, um im gesprengten Loch Bauschutt zu vergraben. Die faszinierende Umgebung in und außerhalb. Nur 15 Meter weg von der Halle! Diesen Capo hab´ ich aber am nächsten Tag nicht mehr gesehen." Die letzten drei Tage in Nigeria verbrachen die drei Bayerwäldler damit, die 400 000-Einwohnerstadt Abuja etwas näher kennen zu lernen, die Gegensätze zwischen den monströsen Gebäuden der Regierung und den kilometerlangen Slumvierteln zu betrachten, sowie die einzigartige Natur des Tropen-Landes.

Abschied mit Wehmut "Wir waren aber andere als froh, als wir abreisten," schließt Reisinger. "Vor allem, als unsere Helfer alle ,Auf Wiedersehen´ sagen. Da kommst´ schon ins Schlucken." Für Gerhard Reisinger könnte es tatsächlich ein Wieder-Sehen geben. Zwei weitere Aufträge aus Nigeria sind in Reichweite. Wenn er sie bekommt, "bin ich nächstes Jahr wieder unten. Selbstverständlich." Bis er sein Werk im fertigen Saal sehen wird, wird wohl nicht so lange dauern: Am 12. Dezember wird die "Banquett Hall" von der Königin des Commonwealth, Queen Elisabeth II. offiziell eröffnet.

 

Flaggen zeigen - auch in Nigeria, schließlich ist Gerhard Reisinger Botschafter